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Auswertung von Tachographen-, CAN- und EBS-Daten zur Unfallrekonstruktion

  • 28. Mai
  • 2 Min. Lesezeit
Laptop mit LKW-Diagnose angeschlossen

Die klassische Unfallrekonstruktion hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Während früher primär physische Spurenbilder, Deformationen und Endstellungen der Fahrzeuge im Fokus standen, rücken heute zunehmend digitale Fahrzeugdaten in den Mittelpunkt der Analyse. Moderne Nutzfahrzeuge fungieren gewissermaßen als „rollende Datenspeicher“, die eine Vielzahl relevanter Parameter kontinuierlich erfassen und dokumentieren.

Zu den wichtigsten Datenquellen zählt der digitale Tachograph. Dieser liefert grundlegende Informationen wie Geschwindigkeit, Fahrzeiten, Lenk- und Ruhezeiten sowie bestimmte Ereignisse wie starkes Bremsen. Für die Rekonstruktion ist insbesondere der Geschwindigkeitsverlauf in den Sekunden vor dem Ereignis von Bedeutung. Allerdings ist zu beachten, dass Tachographendaten häufig in relativ groben Intervallen gespeichert werden und daher keine hochauflösende Dynamik abbilden.


Deutlich detaillierter sind die Daten aus dem CAN-Bus-System. Hier werden fahrzeuginterne Informationen nahezu in Echtzeit zwischen Steuergeräten ausgetauscht. Dazu zählen unter anderem Motordrehzahl, Gaspedalstellung, Lenkwinkel, Gangwahl oder auch Statusmeldungen einzelner Assistenzsysteme. Diese Daten ermöglichen eine wesentlich präzisere Betrachtung des Fahrverhaltens unmittelbar vor dem Unfall. So kann beispielsweise nachvollzogen werden, ob ein Fahrer aktiv beschleunigt, gebremst oder Ausweichbewegungen eingeleitet hat.

Eine besonders hohe Aussagekraft besitzen die Daten aus dem elektronischen Bremssystem (EBS). Sie geben Aufschluss über den tatsächlich aufgebauten Bremsdruck, den zeitlichen Verlauf des Bremsvorgangs sowie mögliche Eingriffe von Assistenzsystemen wie ABS oder ESP. Dadurch lässt sich nicht nur erkennen, ob gebremst wurde, sondern auch mit welcher Intensität und in welcher Phase des Unfallgeschehens.


Trotz dieser umfangreichen Datenbasis liegt die eigentliche Herausforderung nicht im Zugriff, sondern in der fachgerechten Interpretation. Ein häufiger Fehler in Gutachten besteht darin, einzelne Datenreihen isoliert oder linear zu betrachten, ohne die Systemzusammenhänge zu berücksichtigen. Dabei ist insbesondere die Synchronisation der unterschiedlichen Datenquellen kritisch. Zeitstempel können voneinander abweichen, da verschiedene Steuergeräte eigene Zeitbasen verwenden. Bereits geringe Abweichungen im Millisekundenbereich können zu falschen Schlussfolgerungen über die Abfolge von Ereignissen führen.


Hinzu kommen systembedingte Verzögerungen innerhalb des CAN-Netzwerks. Signale werden nicht simultan übertragen, sondern folgen bestimmten Prioritäten und Übertragungszyklen. Das bedeutet, dass ein gemessener Wert nicht zwingend exakt dem Zeitpunkt entspricht, an dem die physikalische Aktion stattgefunden hat. Ohne dieses Verständnis besteht die Gefahr, scheinbar widersprüchliche Daten falsch zu interpretieren.

Ein weiterer Aspekt ist die Plausibilisierung der Daten. Nicht jede aufgezeichnete Größe ist selbsterklärend oder unmittelbar belastbar. Sensorfehler, Rundungen oder systembedingte Filterungen können die Daten beeinflussen. Deshalb ist es unerlässlich, digitale Informationen stets mit klassischen Rekonstruktionsmethoden abzugleichen – etwa mit Schadenbildern, Spurenlagen oder Zeugenaussagen.


Richtig eingesetzt bieten digitale Fahrzeugdaten jedoch einen erheblichen Mehrwert. Sie ermöglichen eine zeitlich hochauflösende Rekonstruktion des Unfallablaufs und liefern Erkenntnisse, die mit rein physischer Analyse nicht zugänglich wären. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, nicht nur den eigentlichen Kollisionsmoment, sondern auch die Sekunden davor detailliert zu betrachten.

Für die gerichtliche Verwertung ist entscheidend, dass die Auswertung transparent, nachvollziehbar und reproduzierbar erfolgt. Die Methodik muss klar dokumentiert sein, und alle Annahmen müssen technisch begründet werden. Nur unter diesen Voraussetzungen entfalten digitale Spuren ihre volle Beweiskraft und können einen entscheidenden Beitrag zur objektiven Klärung des Unfallgeschehens leisten.


📞 Kontakt – Nutzfahrzeuge Gutachter Halle (Saale)

Adresse: Grenzstraße 30, 06112 Halle (Saale)

Telefon: 0345 / 77 38 95 78

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